Der Hirte von Norderbüll

Roman (2018)

im Fachhandel nicht erhältliche Sonderauflage

Paperback, 144 Seiten, 7.90 Euro

 

 

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Unverzeihlich! Hauke Steiners Ehe ist noch nicht ganz am Ende, da lässt sich der Pfarrer mit einem Schäfchen aus seiner Pfarrei ein. Und verwendet keine Sorgfalt darauf, dass dies unbemerkt bleibt. Die Folge: Der Hirte wird von seinen Schutzbefohlenen verscheucht und darf sich da, wo Meer und Land einander begegnen, eine neue Herde suchen. Eine Verbannung in die Ödnis, gar eine Odyssee?

 

"Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde." Dieser Satz Karl Jaspers scheint das Leitmotiv für den Fortgang des Romans des Düsseldorfer Autors Thomas Christen zu sein.

 

Christen versteht es meisterhaft, aus der platten, alles andere als anheimelnden Landschaft der Verbannung mit ihren auf den ersten Blick so drögen Menschen einen blühenden Garten werden zu lassen, wo Mitmenschlichkeit, augenzwinkernde Nachsicht und das Sich-umeinander-Kümmern wuchern.

 

Wie der Hirte im nördlichsten Norden Norddeutschlands eine Herde findet, die ihn einhegt, und wie er dies allmählich bemerkt und zulässt, wird großartig erzählt: Immer versteht es Thomas Christen trefflich, dem Leser kleine oder größere Rätselhäppchen bei der Lektüre hinzuwerfen, die das Weiterlesen oder das Nachdenken und Innehalten erforderlich machen, jedenfalls kein flüchtiges Drüber-hinweg-Lesen erlauben. Und der Duktus seiner Sätze offenbart Melodie und Sprachrhythmus.

 

Der Hirte von Norderbüll ist die zugleich verwirrende wie zutiefst menschliche und heimatstiftende Pastoral eines Ungläubigen, der keinen Gott für Mitmenschlichkeit benötigt.

 

Volker Hermanns